Was „halal“ bedeutet
„Halal“ ist ein arabisches Wort und bedeutet „erlaubt“ oder „zulässig“. Das Gegenteil heißt „haram“, verboten. Dazwischen liegt eine Grauzone: Was sich nicht eindeutig zuordnen lässt, gilt als „mashbooh“, zweifelhaft. Viele praktizierende Muslime meiden solche Produkte, bis die Frage geklärt ist.
Die Unterscheidung betrifft grundsätzlich alles, was gegessen und getrunken wird. Beim Fleisch ist sie am strengsten geregelt, weil hier mehrere Bedingungen zusammenkommen müssen: die Tierart, der Zustand des Tieres, die Art der Schlachtung und der Umgang mit dem Fleisch danach.
Halal ist eine religiöse Vorgabe. Ein Halal-Zertifikat bestätigt, dass bestimmte Regeln eingehalten wurden. Über Geschmack oder Nährwert sagt es für sich genommen nichts aus, und mit dem Bio-Siegel hat es ebenfalls nichts zu tun.
Was Fleisch zu Halal-Fleisch macht
Die folgenden Bedingungen müssen alle erfüllt sein. Fehlt eine, ist das Fleisch nicht halal, auch wenn die übrigen stimmen.
Die Tierart ist erlaubt
Schwein und alle daraus gewonnenen Erzeugnisse sind ausgeschlossen, also auch Schmalz, Gelatine vom Schwein oder Schweinedarm als Wursthülle. Ebenfalls nicht erlaubt sind Raubtiere und Greifvögel. Üblich sind dagegen Rind, Lamm, Schaf, Ziege und Geflügel wie Huhn oder Pute.
Das Tier ist gesund und lebt bei der Schlachtung
Verendete Tiere dürfen nicht verwertet werden. Das Tier muss zum Zeitpunkt der Schlachtung leben und gesund sein. An dieser Bedingung setzt auch die Debatte um die Betäubung an, mehr dazu weiter unten.
Die Schlachtung: Dhabiha
Die vorgeschriebene Schlachtung heißt Dhabiha, oft auch Zabiha geschrieben. Sie wird von einem Muslim ausgeführt, der dabei den Namen Gottes ausspricht. Ein schneller Schnitt durchtrennt Kehle, Luftröhre und die großen Blutgefäße am Hals, anschließend blutet das Tier aus. Blut selbst ist nach den islamischen Speiseregeln nicht erlaubt.
Keine Vermischung mit anderer Ware
Auch nach der Schlachtung gelten Regeln: Bei Zerlegung, Verarbeitung, Lagerung und Transport darf das Fleisch nicht mit nicht erlaubten Produkten in Berührung kommen. Getrennte Messer und Maschinen, eigene Kühlbereiche und eine klare Kennzeichnung gehören deshalb zu seriösen Halal-Abläufen.
Futter und Tierwohl
Viele Halal-Standards stellen zusätzlich Anforderungen an Fütterung und Behandlung der Tiere: Das Tier soll gut versorgt und vor der Schlachtung nicht unnötig belastet werden. Wie genau diese Punkte geregelt und geprüft werden, hängt vom jeweiligen Standard ab.
Wurst, Hackfleisch, Fertiggerichte: wenn es komplizierter wird
Bei einem Stück frischem Lamm ist die Lage überschaubar. Bei Hackfleisch, Wurst, Konserven oder Fertiggerichten zählt dagegen jede Zutat. Hüllen aus Schweinedarm und Schweinefett sind ausgeschlossen, Gelatine, Aromen und Brühen müssen aus erlaubten Quellen stammen, und Alkohol, etwa Wein in einer Marinade, scheidet in der Regel ebenfalls aus. Hinzu kommt die Frage, ob auf derselben Produktionslinie auch Schweinefleisch verarbeitet wird.
Die Zutatenliste beantwortet deshalb nicht alle Fragen. Bei verarbeiteter Ware ist ein nachvollziehbares Zertifikat noch wichtiger als beim frischen Fleisch an der Theke.
Wer bestätigt, dass Fleisch halal ist?
Halal-Zertifizierung ist Sache privater Stellen: islamischer Organisationen und spezialisierter Zertifizierer, die Schlachthöfe und Verarbeiter prüfen und ihr Siegel vergeben. Ein einheitliches EU-Halal-Logo gibt es nicht, entsprechend vielfältig sehen die Siegel im Handel aus.
Die Standards der Zertifizierer unterscheiden sich, am deutlichsten in einer Frage: ob eine Betäubung vor dem Schnitt zulässig ist. Manche Standards akzeptieren bestimmte Betäubungsverfahren, sofern das Tier dadurch nicht stirbt, andere lehnen jede Betäubung ab. Das Wort „halal“ allein verrät Käufern deshalb noch nicht, nach welchen Regeln geschlachtet wurde. Das zeigen erst der Name der Stelle und ihr Standard.
Ein Beispiel für eine solche Stelle ist ALHALAL, das Halal-Zertifizierungskomitee in Lettland. Wenn Sie ein Zertifikat prüfen möchten, achten Sie auf die ausstellende Stelle, den zertifizierten Betrieb, die erfassten Produkte und die Gültigkeitsdauer.
Für Importeure, Verarbeiter und Händler haben wir die Einzelheiten im Praxishandbuch zur Halal-Zertifizierung in der EU zusammengestellt.
Wer Wert auf eine bestimmte Schlachtweise legt, fragt am besten nach der Stelle, die das Siegel vergeben hat.
Betäubung und EU-Recht
In der Europäischen Union regelt die Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung. Der Grundsatz lautet: Tiere werden vor der Schlachtung betäubt. Für Schlachtungen nach religiösen Riten sieht die Verordnung eine Ausnahme vor, sofern sie in einem Schlachthof stattfinden.
Zugleich dürfen die Mitgliedstaaten strengere nationale Vorschriften beibehalten. Die Rechtslage in Europa ist deshalb uneinheitlich: Was in einem Land zulässig ist, kann im Nachbarland eingeschränkt sein. Es kommt deshalb auch auf das nationale Recht an; die Schweiz gehört nicht zur EU und hat ohnehin eigene Vorschriften.
Wir beziehen in dieser Debatte keine Position. Ist Ihnen die Frage der Betäubung wichtig, in welche Richtung auch immer, fragen Sie gezielt nach dem Standard, nach dem zertifiziert wurde.
Verbreitete Missverständnisse
- „Halal ist ein staatliches Siegel.“ Nein. Die Zertifizierung übernehmen private Stellen, ein einheitliches EU-Logo gibt es nicht.
- „Halal heißt immer: ohne Betäubung.“ Nicht zwingend. Das hängt vom jeweiligen Standard ab.
- „Halal ist dasselbe wie bio.“ Nein. Halal regelt religiöse Anforderungen, das Bio-Siegel die ökologische Erzeugung nach EU-Recht. Beides kann zusammentreffen, muss es aber nicht.
- „Halal betrifft nur Fleisch.“ Nein. Auch Zutaten wie Gelatine, tierische Fette oder Aromen in anderen Lebensmitteln spielen eine Rolle.
Halal-Fleisch einkaufen: worauf Sie achten sollten
- Nach dem Zertifikat fragen: Welche Stelle hat zertifiziert, nach welchem Standard? Ein seriöser Händler kann das beantworten und belegen.
- Etikett und Rückverfolgbarkeit prüfen: Herkunft, Schlacht- oder Zerlegebetrieb und Datumsangaben sollten erkennbar sein. Welche Angaben in der EU Pflicht sind, fasst unsere Checkliste zur EU-Lebensmittelkennzeichnung zusammen.
- Frische beurteilen: Frisches Fleisch riecht neutral, hat eine gleichmäßige Farbe und eine feste, nicht schmierige Oberfläche.
- Zuschnitt und Lagerung ansehen: Eine gute Theke ist sauber, gekühlt und klar getrennt. Vakuumware sollte straff verpackt sein, ohne Luft und ohne viel Flüssigkeit im Beutel.
- Online bestellen: Achten Sie auf eine lückenlose Kühlkette, klare Angaben zur Zertifizierung und eine überprüfbare Anschrift des Händlers.
- Zu Hause richtig lagern: Frisches Fleisch gehört, ob halal oder nicht, in den kältesten Bereich des Kühlschranks und sollte zügig verbraucht oder eingefroren werden.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommen Sie Halal-Fleisch in Halal-Metzgereien, in türkischen, arabischen und zentralasiatischen Lebensmittelgeschäften und bei spezialisierten Online-Händlern. Die Fragen aus der Liste oben können Sie dort ebenso stellen.
Halal-Fleisch in Lettland: die Vorbestellung von Arkan Bazar
Arkan Bazar, der usbekische Basar am Rigaer Zentralmarkt, startet in Kürze für Kunden in Lettland eine Vorbestellung für Halal-Fleisch. Sie bestellen online, und die Transporter von Arkan Bazar liefern die vorbestellte Ware in verschiedene Städte Lettlands.
Verkäufer ist die Halal Latvia SIA, die Plattform betreibt die Trade House ECLECTIE SIA, die auch hinter tradehou.se steht. Wer zum Start informiert werden möchte, trägt sich in die Warteliste für die Halal-Vorbestellung ein. Fragen zu Zertifikat und Herkunft einzelner Produkte stellen Sie am besten direkt dem Anbieter, so wie wir es für jeden Einkauf empfehlen.
Den Basar am Zentralmarkt mit Gewürzen, Reis und Tee gibt es schon heute; Lage und Öffnungszeiten stehen auf der Seite von Arkan Bazar.
Betriebe, die als Lieferant oder Partner mitwirken möchten, melden sich über das Kooperationsformular für Partner von Arkan Bazar.
In der Küche unterscheidet sich Halal-Fleisch nicht von anderem Fleisch: Es wird genauso mariniert, geschmort und gebraten. Gutes Lammfleisch ist die Grundlage vieler usbekischer Gerichte, etwa der Lamm-Shurpa oder des Plov, in dem Lamm oder Rind mit Möhren, Zwiebeln und Reis langsam gart.
