Der Zentralmarkt in Kürze
Der Zentralmarkt, lettisch Rīgas Centrāltirgus, ist Einkaufsort und Sehenswürdigkeit zugleich. Fünf große Hallen mit gewölbten Dächern bilden seinen Kern, dazwischen und ringsum liegen Freiflächen mit Ständen, nebenan Busbahnhof, Bahngleise und das alte Speicherviertel. Der Markt zählt zu den größten Europas und gehört zum UNESCO-Welterbe „Historisches Zentrum von Riga“.
Hier kaufen Rentnerinnen ihren Quark, Köche füllen ihre Kisten, und Besucher sehen dabei ein Stück lettischen Alltag. Im Vorbeigehen lässt sich der Markt kaum erkunden, deshalb lohnt es sich, den Besuch ein wenig zu planen.
Anreise: So finden Sie hin
Die Adresse lautet Nēģu iela 7. Der Straßenname bedeutet übrigens „Neunaugenstraße“, und Neunaugen gelten in Lettland bis heute als Delikatesse. Der Markt liegt am südöstlichen Rand der Altstadt, unmittelbar neben dem Busbahnhof und nicht weit vom Hauptbahnhof.
- Zu Fuß aus der Altstadt: Gehen Sie Richtung Busbahnhof, lettisch Autoosta. Der Markt schließt direkt daran an, der Weg dauert nur wenige Minuten.
- Mit Bahn oder Fernbus: Der Busbahnhof liegt direkt nebenan, der Hauptbahnhof wenige Gehminuten entfernt. Praktisch, wenn Sie vor der Weiterreise noch Proviant kaufen möchten.
- Mit Straßenbahn oder Bus: Mehrere Linien halten in der Umgebung. Aktuelle Verbindungen finden Sie beim städtischen Verkehrsbetrieb Rīgas satiksme.
- Mit dem Auto: Parkplätze sind knapp und das Umfeld ist verkehrsreich. Wer kann, lässt den Wagen am Hotel stehen.
Den Markt können Sie gut mit einem Abstecher in das benachbarte Speicherviertel Spīķeri verbinden, zusammen füllt das einen halben Tag. In den historischen Backsteinspeichern sind heute Kultureinrichtungen und Gastronomie untergebracht.
Wie der Markt aufgebaut ist
Den Kern des Marktes bilden die fünf großen Pavillons. Jeder hat einen eigenen Schwerpunkt, das erleichtert die Orientierung: Wer Fisch sucht, geht in die Fischhalle, wer Käse und Quark will, in die Milchhalle. Rund um die Hallen liegen Freiflächen mit Ständen, an denen je nach Saison Obst, Beeren, Pilze, Blumen, Kleidung und Haushaltswaren verkauft werden.
Für einen ersten Rundgang sollten Sie mindestens eine Stunde einplanen, mit Kostproben und Kaffeepause eher zwei. Wer gezielt einkauft, ist schneller fertig; wer fotografiert, probiert und mit den Händlern ins Gespräch kommt, bleibt leicht einen halben Tag.
Die Pavillons und wofür sie bekannt sind
Fleischhalle
Frisches Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch, auf Wunsch zugeschnitten, dazu Würste, Speck und Geräuchertes. Geräucherter Speck und Würste gehören zu den Klassikern der lettischen Küche und eignen sich gut für ein Picknick.
Fischhalle
Hier merkt man am deutlichsten, dass Riga an der Ostsee liegt: Es gibt Ostseehering, Sprotten, Räucherfisch in allen Goldtönen und, wenn die Saison stimmt, Neunaugen. Den geräucherten Fisch probieren Sie am besten gleich am Stand.
Milchhalle
Quark, saure Sahne, Butter und Käse von lettischen Höfen. Bekannt ist der Kümmelkäse Jāņu siers, der traditionell zur Mittsommernacht gegessen wird. Probieren Sie auch den lettischen Quark, biezpiens: Er ist trockener und körniger als der cremige Quark, den man aus Deutschland kennt.
Gemüsehalle
Gemüse, Obst, Kräuter, Eingelegtes und Sauerkraut aus dem Fass. Im Spätsommer türmen sich Gurken, Kürbisse und Äpfel, im Winter bestimmen Lagergemüse, Eingemachtes und Importware das Bild.
Gastronomie-Pavillon
Feinkost, Backwaren, Wurst- und Fleischerzeugnisse sowie zubereitete Speisen. Wer nach dem Rundgang Hunger hat oder Proviant für die Reise sucht, wird hier fündig.
Die Öffnungszeiten können sich ändern und von Pavillon zu Pavillon abweichen. Prüfen Sie die aktuellen Zeiten vor Ihrem Besuch auf der offiziellen Website des Zentralmarkts.
Praktische Tipps für den Einkauf
- Bargeld und Karte: Viele Stände nehmen Karten, aber nicht alle. Etwas Bargeld in Euro, gern in kleinen Scheinen und Münzen, macht kleine Käufe einfacher.
- Früh kommen: Vormittags ist die Auswahl am größten und die Gänge sind ruhiger. Gegen Ende des Markttages wird es leerer, dann sind aber auch die Auslagen schon ausgedünnt.
- Tasche mitbringen: Ein Rucksack oder eine Stofftasche ist praktisch, für Fisch und Käse an warmen Tagen auch eine kleine Kühltasche.
- Probieren: Fragen Sie ruhig nach einer Kostprobe, gerade bei Käse, Honig, Räucherfisch oder Trockenfrüchten. An vielen Ständen ist das üblich.
- Saison beachten: Erdbeeren im Frühsommer, Heidelbeeren und Pfifferlinge im Sommer, Preiselbeeren und Äpfel im Herbst. Was gerade Saison hat, ist meist auch am besten.
- Handeln mit Maß: Die Preise sind meist ausgeschildert, oft pro Kilo. Bei größeren Mengen dürfen Sie höflich nach einem Nachlass fragen, um ein einzelnes Glas Honig feilscht man dagegen nicht.
- Ein paar Worte Lettisch: „Labdien“ heißt Guten Tag, „Paldies“ Danke. Viele Händler sprechen auch Russisch, an manchen Ständen kommen Sie mit Englisch weiter.
Was Sie probieren und mitnehmen sollten
Vor Ort lohnt sich vor allem, was sich schlecht transportieren lässt: frisch geräucherter Fisch, lettischer Quark und im Sommer Beeren direkt aus der Schale. Für den Heimweg eignen sich haltbare Dinge:
- Rigaer Sprotten in der Dose oder vakuumverpackter Räucherfisch
- dunkles lettisches Roggenbrot, rupjmaize, das mehrere Tage frisch bleibt
- Honig aus lettischen Imkereien
- Kümmelkäse und andere Käsesorten, gut verpackt
- Gewürze, Tee und Trockenfrüchte aus der östlichen Ecke des Marktes
Die östliche Ecke: Arkan Bazar
Nicht alles auf dem Markt ist lettisch. Waren aus Zentralasien finden Sie bei Arkan Bazar, dem usbekischen Basar am Rigaer Zentralmarkt, der früher unter dem Namen Uzbek Bazaar bekannt war. Das Sortiment ist auf die Küche Usbekistans und seiner Nachbarländer ausgerichtet. Lage und aktuelle Öffnungszeiten stehen auf der Seite von Arkan Bazar.
- Gewürze: die Grundausstattung für Plov mit Kreuzkümmel (Zira), Berberitzen, Koriandersaat und Kurkuma.
- Reis: Plov-Sorten wie Laser und Devzira, die beim Garen körnig bleiben. Worin sie sich unterscheiden, erklärt unser Vergleich von Devzira und Laser-Reis.
- Trockenfrüchte und Nüsse: etwa getrocknete Aprikosen aus Sughd, Rosinen, Walnüsse, Mandeln und Pistazien.
- Tee: Schwarztee und grüner Kok-Tee. Beide trinkt man traditionell aus kleinen Trinkschalen namens Piyola.
- Keramik und Textilien: Teller und Teeservice aus Rishtan mit der typischen türkisblauen Glasur, Suzani-Stickereien und Ikat-Seide.
Arkan Bazar startet in Kürze eine Online-Vorbestellung für Halal-Fleisch. Die Transporter von Arkan Bazar fahren in verschiedene Städte Lettlands und liefern die vorbestellte Ware aus. Wer zum Start informiert werden möchte, trägt sich in die Warteliste für Halal-Fleisch ein.
Und wenn Sie nach dem Einkauf selbst kochen möchten: Mit Zira, Berberitzen und Plov-Reis aus der östlichen Ecke gelingt zu Hause ein klassischer usbekischer Plov.
Händler und Gastronomen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, die zentralasiatische Lebensmittel regelmäßig beziehen möchten, erreichen das Handelshaus hinter tradehou.se über die Seite zur Zusammenarbeit für Einkäufer.
Ein Markt aus Zeppelinhallen: kurze Geschichte
Die Stahlkonstruktionen der markanten Dächer stammen von Luftschiffhallen, die das deutsche Militär im Ersten Weltkrieg in Vaiņode in Kurland für seine Zeppeline errichtet hatte. Nach dem Krieg wurden die Gerüste nach Riga gebracht und für die neuen Markthallen wiederverwendet.
Der Zentralmarkt wurde 1930 eröffnet. Heute zählt er zu den größten Märkten Europas und ist Teil des UNESCO-Welterbes „Historisches Zentrum von Riga“. Wer durch die Hallen geht, sieht über den Ständen noch die Stahlbögen der alten Luftschiffhallen.
Schauen Sie auf dem Zentralmarkt auch einmal nach oben. Unter diesen Dachgerüsten standen früher Zeppeline.
