Kultur

Usbekisches Brot: Non, Patir und ihre Verwandten

Welche Fladenbrote es in Usbekistan gibt, wie sie im Tandoor entstehen und warum das Brot dort so respektvoll behandelt wird.

7 Min. Lesezeit
Runde usbekische Fladenbrote mit gestempelter Mitte

Kurz.

Wie heißt usbekisches Brot?

Usbekisches Brot heißt „Non“. Gemeint ist meist Obi Non, das runde Alltagsbrot aus dem Tandoor mit dickem Rand und flacher, gestempelter Mitte. Reichhaltiger ist Patir, ein oft geschichtetes Festtagsbrot mit Butter, Kaymak oder Schwanzfett, das vor allem mit dem Ferghanatal verbunden wird. Dazu kommen das lange haltbare Samarkand-Non sowie Katlama, Shirmoy Non und Gijda. Brot steht in Usbekistan zu jeder Mahlzeit auf dem Tisch und wird mit besonderem Respekt behandelt. Wer die wichtigsten Sorten und ein paar Regeln kennt, fühlt sich an jedem usbekischen Tisch sicherer.

Usbekisch für Brot
Non
Alltagsbrot
Obi Non: rund, aus dem Tandoor, gestempelte Mitte
Festtagsbrot
Patir (Patyr), mit Butter, Kaymak oder Schwanzfett
Brotstempel
Chekich

Non: Brot zu jeder Mahlzeit

In Usbekistan liegt zu jeder Mahlzeit Brot auf dem Tisch, und es wird mit einem Respekt behandelt, der Besucher oft überrascht. Das usbekische Wort dafür ist schlicht „Non“. Es bezeichnet Brot im Allgemeinen und zugleich das typische runde Fladenbrot, das man in Deutschland meist als usbekisches Fladenbrot kennt.

Gebacken wird traditionell im Tandoor, einem Lehmofen, an dessen heiße Innenwand die Teiglinge geklatscht werden. Dort garen sie in kurzer Zeit, und es entstehen die kräftige Kruste und der weiche, duftende Rand. Im selben Ofen backen übrigens auch Samsa, die gefüllten Teigtaschen. Teig, Form und Muster wechseln mit Region, Anlass und Bäcker, die Grundform bleibt aber gleich: rund, in der Mitte flach, am Rand kräftig.

Obi Non: das runde Alltagsbrot

Obi Non ist das Brot, das man in Usbekistan überall bekommt: rund, mit einem dicken, luftigen Rand und einer flachen, dünnen Mitte. Die Mitte wird vor dem Backen mit einem Chekich gestempelt, einem Brotstempel mit feinen Stiften, die ein Muster in den Teig drücken. Das Muster schmückt das Brot und hat zugleich einen praktischen Zweck: Die gestempelte Mitte geht im Ofen nicht auf und bleibt flach und knusprig.

Oft wird die Oberfläche mit Sesam oder Schwarzkümmel bestreut. Obi Non isst man pur, zum Tee, zu Plov und zu Suppen wie der Lamm-Shurpa, in die man Stücke davon eintunkt.

Patir: das reichhaltige Festtagsbrot

Patir, auch Patyr geschrieben, ist der festliche Verwandte des Obi Non. Der Teig wird mit Fett angereichert, mit Butter, Kaymak, einem dicken Rahm, oder mit ausgelassenem Schwanzfett vom Fettschwanzschaf, und häufig in Schichten ausgerollt. Das Ergebnis ist schwerer, mürber und sättigender als das Alltagsbrot.

Patir wird vor allem mit dem Ferghanatal verbunden und kommt bei Hochzeiten und Festen auf den Tisch oder wenn Gäste erwartet werden. Eine Variante für die heimische Küche zeigt unser Rezept für Patir-Tandoorbrot.

Samarkand-Non: das Brot, das sich hält

Samarkand ist in ganz Usbekistan für sein Brot bekannt. Das Samarkand-Non ist dichter und schwerer als Obi Non, hat eine glänzende Oberfläche und hält sich bemerkenswert lange. Deshalb nehmen Reisende es gern als Mitbringsel mit.

Weitere Brote, die Sie kennen sollten

Neben den drei bekanntesten Sorten kennt die usbekische Küche eine ganze Reihe weiterer Brote. Einigen davon begegnen Sie in Bäckereien und auf Speisekarten:

  • Katlama: ein geschichtetes Fladenbrot, bei dem der Teig mit Fett bestrichen, gerollt oder gefaltet und dann flach ausgerollt wird. Die Schichten machen es blättrig und reichhaltig.
  • Shirmoy Non: eines der vielen regionalen Rundbrote, denen Sie in usbekischen Bäckereien begegnen können.
  • Gijda: das Brot aus Choresm im Nordwesten Usbekistans, mit eigener Form und eigenem Stempelmuster.
  • Kulcha: kleine runde Brote, deutlich kleiner als ein gewöhnliches Non.

Rezepte und Formen unterscheiden sich von Stadt zu Stadt und oft von Bäcker zu Bäcker. Wer durch Usbekistan reist, isst in jeder Region ein etwas anderes Brot.

Brot in der usbekischen Küche

Mit einem abgebrochenen Stück Non nimmt man Salat, Soße oder Fleisch auf, und eine Suppe ohne Brot ist am usbekischen Tisch kaum vorstellbar. Zu Plov gehört Brot ebenso selbstverständlich wie der Tomatensalat Achichuk mit Zwiebeln. Das Brot liegt auf dem Tisch, bevor das Essen kommt, und bleibt dort, bis alle aufstehen.

Brot und Tee: der gedeckte Tisch

Kommen Gäste, liegt Brot als Erstes auf dem Dastarkhan, dem gedeckten Tisch, zusammen mit Tee, Trockenfrüchten, Nüssen und Süßem. Erst danach folgen Suppe, Salate und Plov. Zum Brot gehört fast immer Tee; wie er in Usbekistan eingeschenkt und gereicht wird, beschreibt unser usbekisches Grüntee-Ritual.

Brot am Tisch: was sich gehört

Für den Umgang mit Brot gibt es in Usbekistan einige Regeln, die Gäste kennen sollten:

  • Nie mit der Oberseite nach unten: Das Brot liegt immer mit der gestempelten Seite nach oben auf dem Tisch.
  • Brechen statt schneiden: Non wird mit den Händen gebrochen, nicht mit dem Messer geschnitten.
  • Der Gastgeber beginnt: Zu Beginn des Essens bricht der Gastgeber das Brot und verteilt die Stücke an die Gäste.
  • Nichts wegwerfen: Brotreste werden aufgebacken, getrocknet oder anders verwertet.

Verbreitet ist auch ein Brauch für Reisende: Wer zu einer längeren Reise aufbricht, beißt ein Stück von einem Brot ab, und der Rest wird zu Hause aufbewahrt, bis er zurückkehrt.

Am usbekischen Tisch wird bemerkt, wie ein Gast mit dem Brot umgeht: ob er es bricht und mit der gestempelten Seite nach oben zurücklegt.

Redaktion tradehou.se

Gutes Non erkennen

Ob auf dem Markt oder im Laden: Ein paar Merkmale verraten, ob das Brot gelungen und frisch ist.

  • Der Rand ist weich und federt beim Drücken zurück.
  • Die Kruste ist goldbraun bis kräftig braun und glänzt leicht.
  • Die Mitte ist dünn und knusprig, nicht teigig.
  • Das Brot duftet nach Getreide und Röstaromen, nicht säuerlich oder muffig.

Aufbewahren und aufbacken

Frisches Non schmeckt am ersten Tag am besten. Danach wird es trockener, aber nicht schlecht, und mit etwas Pflege bleibt es einige Tage genießbar.

  • Lagern: Bei Raumtemperatur in einem Baumwolltuch oder Brotbeutel, nicht in Plastik. In der Tüte schwitzt das Brot, die Kruste wird weich und es schimmelt schneller.
  • Aufbacken: Die Oberfläche leicht mit Wasser besprenkeln und das Brot einige Minuten im vorgeheizten Ofen erwärmen. So werden Rand und Kruste wieder frisch.
  • Einfrieren: Am besten in Stücken und gut verpackt. Nach dem Auftauen kurz im Ofen aufbacken.
  • Verwerten: Trockenes Brot schmeckt gut in Suppe oder Tee getunkt, so wie es in Usbekistan oft gegessen wird.

Samarkand-Non hält sich ohnehin länger, Patir bleibt dank des Fetts etwas länger saftig als Obi Non. Bei verpacktem Brot aus dem Handel richten Sie sich nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Packung.

Usbekisches Brot zu Hause backen

Einen Tandoor hat kaum jemand im Garten. Ersatzweise heizen Sie einen Backstein oder ein umgedrehtes Backblech im Ofen sehr heiß vor und backen das Brot darauf rasch. Oberhitze oder Grillfunktion sorgen am Ende für Farbe.

Lassen Sie den Teig in Ruhe gehen, denn ein gut aufgegangener Teig sorgt für den luftigen Rand. Kurz vor dem Backen bestreichen Sie den Rand mit etwas Milch oder verquirltem Eigelb, das gibt Farbe und Glanz, und bestreuen ihn mit Sesam oder Schwarzkümmel.

Den Chekich ersetzen Sie zur Not durch eine Gabel, mit der Sie ein Muster in die Mitte stechen. Wichtig ist, die Mitte fest flach zu drücken, damit nur der Rand aufgeht und die Mitte dünn bleibt. Schritt für Schritt zeigt das unser Rezept für Non-Fladenbrot nach Tandoor-Art.

Wo Sie usbekisches Brot finden

In Riga bekommen Sie usbekisches Fladenbrot bei Arkan Bazar, dem usbekischen Basar am Rigaer Zentralmarkt. Lage und aktuelle Öffnungszeiten stehen auf der Seite von Arkan Bazar.

Das usbekische Fladenbrot Non gehört dort zum Sortiment, zusammen mit Tee, Gewürzen und Plov-Reis.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie Non am ehesten in usbekischen und zentralasiatischen Lebensmittelgeschäften.

Gastronomen und Händler, die zentralasiatische Zutaten regelmäßig beziehen möchten, erreichen das Handelshaus über das Kooperationsformular für Gastronomie.

FAQ

Usbekisches Brot: häufige Fragen

„Non“, so lautet das usbekische Wort für Brot. Gemeint ist meist Obi Non, das runde Fladenbrot aus dem Tandoor. Bekannte Varianten sind Patir, Samarkand-Non, Katlama und Gijda.

Obi Non ist das schlichte Alltagsbrot aus einfachem Teig. Patir wird zusätzlich mit Butter, Kaymak oder Schwanzfett angereichert, oft geschichtet, ist reichhaltiger und gilt als Festtagsbrot, besonders im Ferghanatal.

Das Muster entsteht mit dem Chekich, einem Stempel mit feinen Stiften. Er drückt die Mitte flach und sticht kleine Löcher hinein, damit sie im heißen Tandoor nicht aufgeht. So bleibt die Mitte dünn und knusprig, der Rand dick und weich. Die Muster unterscheiden sich von Bäcker zu Bäcker.

Frisch gebackenes Obi Non schmeckt am ersten Tag am besten und wird danach trockener; im Baumwolltuch gelagert und aufgebacken bleibt es einige Tage genießbar. Samarkand-Non ist für seine lange Haltbarkeit bekannt. Eingefroren hält sich jedes Non deutlich länger. Bei verpackter Ware gilt das Datum auf der Packung.

Ja. Ein stark vorgeheizter Backstein oder ein umgedrehtes Backblech ersetzt die heiße Wand des Tandoors, eine Gabel den Brotstempel. Eine Anleitung finden Sie im Rezept für Non-Fladenbrot.

Traditionell nicht. Non wird mit den Händen gebrochen, zu Beginn des Essens meist vom Gastgeber. Außerdem liegt es immer mit der gestempelten Seite nach oben und wird nicht weggeworfen.

Nächster Schritt.

Usbekische Küche in Riga entdecken

Fladenbrot, Gewürze und Tee finden Sie bei Arkan Bazar am Rigaer Zentralmarkt. Weitere Ideen für den Tisch bieten unsere usbekischen Rezepte.

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